WER DIE WAHL HAT...

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WER DIE WAHL HAT...
© blickpixel | pixabay

Seit letzter Woche unterstützt der Wahl-O-Mat® zur Bundestagswahl 2021 des Bundeswahlleiters bisher Unentschlossene bei der Entscheidungsfindung. Dieser liefert zwar keine konkreten Antworten, aber dennoch Erkenntnisse. Kandidatenaussagen und Wahlprogramme sind schwammig. Umso wichtiger sind Branchenveranstaltungen mit Vertretern der Parteien, um deren Positionierung zur Kreativwirtschaft im persönlichen Dialog auszuloten. Welche Partei bedient die Interessen der Kreativwirtschaft am besten?

Der Termin zur Bundestagswahl in diesem Herbst ist im Gegensatz zu großen Krisen der letzten Jahre alles andere als überraschend. Parteien, egal ob an der Regierung oder in der Opposition, hatten vier lange Jahre, Konzepte für die großen Themen unserer Zeit gründlich zu erarbeiten. Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und Zuwanderungspolitik sind solche Themen. Digitalisierung und die Folgen daraus ebenfalls. Kurz vor der Wahl ist deshalb ein guter Zeitpunkt, die Antworten der verschiedenen Parteien auf diese großen Fragen zu vergleichen, um abzugleichen, welche Konzepte am besten zu eigenen Überzeugungen passen.

Wenn du aktiv in der Politik wärest, in verantwortlicher Position, und würdest dich auf diesen wichtigen, planbaren Tag vorbereiten, hättest du dir vorher viele Meinungen eingeholt – von Experten, aber auch von den unterschiedlichen Interessensgruppen. Das Ergebnis wäre ein durchdachtes, möglicherweise kantiges, vielleicht auch einfach pragmatisches, aber in jedem Fall ein detailliertes und plausibles Strategiepapier. Je nach politischem Lager hättest du auf deine Interessensgruppen mehr Rücksicht genommen als auf andere. Von jedem Studenten wird eine Thesis am Ende seiner Studienzeit verlangt, nichts anderes wäre hier erwartbar – natürlich auf viel höherem Niveau, denn hier arbeiten Profis. 

Die Fragen des Wahl-O-Mat® spiegeln jedenfalls nur eingeschränkt diese großen, anstehenden Themen. Werden hier lediglich die Inhalte der Wahlprogramme reflektiert oder folgen die dortigen Fragen den Haupt-Interessen der Mehrheit der Bevölkerung? Demokratie heißt schließlich, die Mehrheit hat Recht. Bei den unterschiedlichen Partei- und Kandidaten-Events, organisiert von verschiedenen Organisationen, verstärkt sich der Eindruck, dass konkrete Antworten vermieden werden – parteiübergreifend.

Für den Wähler ist es nicht einfach, Visionen und konkrete Maßnahmen der Parteien für das eigene Zuhause, die individuelle Mobilität, gemeinsame Identifikationskultur (Stichwort Kino), Arbeitsplatz- bzw. Existenzsicherung und eine konkrete Idee von der nahen Zukunft zu erhalten. Auch die vermeintlichen Führungskompetenzen für Zukunftsfragen der möglichen Verantwortungsträger sind schwer abschätzbar. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass selten Parteiprogrammversprechen im politischen Alltag wie vorgesehen eingelöst werden (können).

Letztendlich muss sich jeder selbst die Frage stellen, wem er seine Familie, sein Unternehmen und sich selbst anvertrauen möchte. Wem traut man persönlich die konkrete Zukunftsgestaltung am ehesten zu? Wählen ist Bürgerpflicht – was bleibt uns sonst übrig? Die Zukunft liegt in unser aller Hände.