ES LEBE DAS KINO

  • Facebook Logo
  • Twitter Logo
  • LinkedIn Logo
ES LEBE DAS KINO
Foto: Ich und die Anderen von David Schalko | Berlinale Series | ARTE Sommerkino Schloss Charlottenburg | © Erik Weiss / Berlinale 2021 | Summer Special 9. Juni

In den Open-Air-Kinos in Berlin wird die große Leinwand bei der Sommer-Berlinale zelebriert. Ein absolutes Kulturhighlight. Überall im Land öffnen die Kinos mit fantastischem Angebot. „Weißbier im Blut“ startet nach seiner Premierenfeier in Nürnberg auch in München und weckt Erwartungen an das Filmfest im Sommer. Kinoproduktionen vertrauen auf die bewährten Konzepte und erfüllen konsequent mit neuen Kameras, vielen Talenten, beeindruckender Gestaltung und Besetzung die Erwartungen der Kinozuschauer von morgen. Kino-Sets mit üblicher Teamstärke, Komparserie und Fuhrpark sind zurückgekehrt.

Das Erlebnis, vor einer großen Leinwand fremde Welten zu bestaunen, ist unbeschreiblich. Wie kleine Kinder sitzen die Zuschauer*innen in den Festivalfilmen in Berlin. In jeder Veranstaltungsstätte wird pro Tag nur ein Film gespielt. Das Programm präsentiert sich wie die Chefkoch-Empfehlung im Gourmet-Restaurant. Klassisches Fernsehen hat im Programm auf die Dominanz der Streamer bei Hollywood-Filmen reagiert und setzt auf Entertainment und Eigenproduktionen. Das Konzept scheint aufzugehen. Auch die Streamer fokussieren immer stärker auf eine bestimmte Zielgruppe. Das Programm wird laut präsentiert, mit Trailern oder ganzen Filmen, die einfach loslaufen oder mit einer schier übermächtigen Auswahl an Filmen. Die Berlinale zeigt sich im Gewand des Programmkinos, exquisit, exzellent und besonders.

Vor Corona nahmen gerade die hochbudgetierten Serienprojekte viel Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Qualität der einzelnen Produktionen ist nach wie vor beeindruckend und steht dem Kino in nichts nach. Das Kino warb früher mit dem Slogan: „Kino, dafür werden Filme gemacht!“, was sich in Anbetracht der neuen Online-Konkurrenz nicht als Differenzierungskriterium bewährt hat. Tatsächlich steht Kino für Gemeinschaft – vor allem für gemeinschaftliches Erleben. Es steht aber auch für eine feine, exklusive Präsentation. Selbst in einem großen Multiplex wird den Zuschauer*innen ein konkretes Angebot gemacht. Nur wenige Filme stehen zu einer bestimmten Zeit zur Auswahl. Was zunächst wie ein Nachteil klingen mag, erweist sich nach stundenlanger Mediathekensuche als Qualitätsmerkmal. Die Kund*innen werden bedient. Weinfachhandel versus Supermarkt. Reisebüro statt Vergleichsplattform.

Kino hat an Selbstbewusstsein gewonnen. Eine neue Art des Festivals könnte dezentral, bundesweit mit gleichem Programm, aber eben inhaltlich stärker zentral begleitet stattfinden. Geförderte Filme könnten statt einer mageren Auswertungszeit konkrete Kinotage bekommen, damit Filme, die gemacht werden müssen, auch gesehen werden können: Montagskino für Kultur, zum Beispiel. Wo digitale Angebote in ihrer Attraktivität enden – trotz aller Vorteile und technischen Möglichkeiten – haben alle in den letzten Monaten gelernt. Lieferdienst ersetzt nicht den Restaurantbesuch, sondern ergänzt ihn. Selberkochen kann Spaß machen, aber zum Erlebnis wird es erst in der Gruppe. Die Qualitäten von Kino sind unersetzbar. Die Filme tragen natürlich einen erheblichen Teil zum Erlebnis bei. In der Masse der Angebote ist vor allem die Auswahl des richtigen Filmes ein Mehrwert und die Abgrenzung zum Heimkino.

Ein Film, der genau auf diese Eigenschaften passt, ist „Weißbier im Blut“. Der Perathon Film in Koproduktion mit IFP Arena Pictures erscheint beim Verleih Tobis Film und wurde vom FilmFernsehFonds Bayern gefördert. Das Kino „Sendlinger Tor“ ist Gastgeber der Münchner Premierenveranstaltung. Die schräge, bayerische Krimi-Komödie von Jörg Graser lockt mit gestandenen Darsteller*innen wie Sigi Zimmerschmied und Luise Kinseher in den Hauptrollen, ist aber auch für einige das große Kinoleinwand-Debut, so z.B. für Jungdarstellerin Sofia Florence. Und auch für Sie als Zuschauer*in ist „Weißbier im Blut“ die perfekte Gelegenheit für den (Wieder-)Einstieg in die Kinowelt.

Deswegen wünschen wir endlich wieder: Viel Spaß im Kino!