Vorbereitungen für den Neustart

Rückblick auf das Forum der Filmwirtschaft | Digital

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Vorbereitungen für den Neustart
Konferenz Digital: Für die Durchführung der Veranstaltung nutzten wir die Plattform Airmeet. Diese wird auch auf kommenden Forum Media bzw. Ensider Events eine Rolle spielen. Foto © Forum Media 

Am Donnerstag, den 14. Januar 2021 veranstaltete Forum Media mit Unterstützung von ENSIDER, FFF Bayern, Bankhaus DONNER & REUSCHEL und dem Mathäser Filmpalast das traditionelle Forum der Filmwirtschaft zum ersten Mal in digitaler Form. Moderiert wurde die Konferenz von Prof. Dr. Klaus Schaefer.

Passend zum digitalen Format eröffnete die bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach die Konferenz mit einem Vorwort. Sie präsentierte das Digitalministerium als stabilen Partner für die gebeutelte Medienbranche. Ein „Neustart“ der Kultur werde zwar nicht von heute auf morgen möglich sein, aber der Weg dorthin werde vom Ministerium aktuell bestmöglich geebnet. Die Vorbereitungen schließen auch die Verbesserung bisheriger Defizite mit ein. Durch die steigende Digitalisierung der Branche sei z.B. mehr Inklusion möglich. Es werde aktuell daran gearbeitet, Hürden zu senken. Als Motivator hierfür dient auch der Bayerische Digitalpreis, für den smarte digitale Projektideen eingereicht werden können.

Als nächstes erläuterte Carsten Mumm (Bankhaus DONNER & REUSCHEL) die aktuellen Wirtschaftstrends. Die Prognosen für den Verlauf dieses Jahres sehen besser aus als vielleicht befürchtet. Anhand des ifo Geschäftsklimaindex zeigte Mumm, dass das verarbeitende Gewerbe trotz des aktuellen Lockdowns eine schnelle Erholung aufweist. Lediglich die Zinsentwicklung wird auf Grund der hohen Staatsverschuldung dieses Jahr gedeckelt werden.

Mehr Sicherheit für Filmproduktionen verspricht der von Prof. Dr. Johannes Kreile (Noerr LLP) erläuterte Ausfallfonds. Sowohl der für Kino- und High-End-Produktionen gedachte Ausfallfonds I als auch der für kleinere und TV-Produktionen ausgelegte Ausfallfonds II seien nach einem mühsamen Weg durch das Dickicht des deutschen Föderalismus endlich verfügbar. Kritisch zu sehen sei jedoch, dass beide Ausfallfonds nicht für alle Produktionen gleichzeitig beantragbar sind, da zum einen nur eine begrenzte Anzahl an Produktionen zeitgleich versichert sein kann. Zum anderen sei der Ausfallfonds II nur in den Bundesländern gültig, die auch an dem Fonds beteiligt sind. Kritisch äußerte Kreile, dass filmaffine Bundesländer wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz noch nicht zum Ausfallfonds II beitrügen.

Diese Kritik wurde später von Prof. Carl Bergengruen (MFG Baden-Württemberg) mit der Zusicherung beantwortet, dass Baden-Württemberg sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch am Ausfallfonds II beteiligen wird.

Um Perspektiven für Produzent*innen ging es im ersten Panel des Forums der Filmwirtschaft | Digital.

Prof. Regina Ziegler (Ziegler Film) und Timm Oberwelland (Tobis Film) berichteten von abgebrochenen Drehs, ins Leere laufendem Marketing und der Kostenintensität von Hygienekonzepten. Beide Unternehmen warten auf den Zeitpunkt, an dem fertige Produktionen wieder ins Kino gebracht werden können.

„Wenn es das Kino nicht mehr gibt, gibt es auch keine Träume mehr“, sagte Ziegler. Auch wenn es momentan so scheinen könnte, als würden Streamingangebote das Kino ersetzen, wirken Streaming und Kino im Grunde zusammen und ergänzen sich gegenseitig. Dorothee Erpenstein vom FFF Bayern wies darauf hin, dass das Kino den überaus wichtigen Aufschlag für die gesamte Verwertungskette darstellt.

Diese Zuversicht seitens Produktion, Vertrieb und Förderung war sicherlich ein Trost für SPIO Präsident Dr. Thomas Negele, der glasklar erklärte, dass die Branche nun seit fast einem Jahr quasi vom Markt verschwunden ist. Er forderte klarere Strukturen und mehr Transparenz seitens der Politik, deren Entscheidungen aktuell planlos und ohne Perspektive erscheinen. Zudem bemängelte er die Verzögerung der Auszahlung von Hilfen in einigen Bundesländern.

Den großen juristischen Aufwand, der hinter Hilfsgeldern und z.B. der Öffnung des Kurzarbeitergeldes für kurzfristig Angestellte in der Filmbranche steckt, erklärte Prof. Dr. Johannes Kreile. Juristen seien im letzten Jahr von Herausforderungen und Fragen nur so überschwemmt worden. Auch in Zukunft werden noch weitere juristische Problemstellungen aufkommen, so auch die jetzt schon anklingende Frage, ob man Impfpflichten in Arbeitsverträgen festhalten dürfe.

Weitere juristische Einblicke gab nach dem ersten Panel Dr. Thomas Glückstein (Lausen Rechtsanwälte). Denn es gab auch andere gesetzliche Änderungen und Anpassungen, die in Zukunft von Relevanz sein werden. Hier hob Glückstein vor allem die Europäischen Urheberrichtlinien und den Medienstaatsvertrag hervor.

Im zweiten und abschließenden Panel der Konferenz ging es schließlich um die Frage, wie sich die deutsche Filmwirtschaft in den Punkten Digitalisierung und Internationalisierung entwickeln wird.

Ein Wort für die zukünftige Generation legte Prof. Bettina Reitz (HFF München) ein. Die Hochschule sei das ganze Jahr über damit beschäftigt gewesen, den Studierenden trotz Einschränkungen praktische Übungen zu ermöglichen. Dennoch geht der jetzige Abschlussjahrgang mit einem deutlichen Defizit aus dem Studium heraus, da die Präsentation und das Networking in der Branche nicht habe stattfinden können. Reitz rief die Branche dazu auf, sich der jungen Talente anzunehmen.

Das Potenzial, das in den jungen Filmemacher*innen, aber auch in anderen Vertreter*innen der Branche schlummert, sieht auch Christina Christ (Director Fiction Programs, Keshet Tresor Fiction). Ihre Kolleg*innen aus dem Ausland interessierten sich sehr für die hohen deutschen Standards und Talente.

Auch der Head of German Originals von Amazon Studios Philip Pratt hob das Potenzial der deutschen Filmwirtschaft hervor. Insbesondere hier suche der Streamingservice nach innovativen Inhalten, die aus der aktuellen Amazon-Mediathek hervorstechen könnten.

In Hinsicht auf internationale Co-Produktionen äußerte Prof. Carl Bergengruen, dass zugunsten der green production internationale Modelle verstärkt überdacht werden müssten. Das Splitting von Produktionen über Ländergrenzen hinweg sei höchst umweltschädlich und dürfe nicht mehr bedenkenlos unterstützt werden.

Den Gedanken, nur noch national zu produzieren, schlossen die anderen Beteiligten jedoch aus. Jürgen Kling (adag Payroll Services) betonte als Vertreter eines mittelständischen Unternehmens, dass ihre internationalen Kunden nicht mehr wegzudenken wären, da vor allem Produktionen von Netflix oder Amazon großen Umsatz bringen. Zudem würden immer mehr Technologien entwickelt, die Dreharbeiten umweltschonender machen, so z.B. adags digitaler Setpass. Prof. Bettina Reitz betonte, dass es nicht nur das eine und auch nicht nur das andere geben dürfe. Sowohl heimatliche als auch internationale Produktionen hätten ihre Berechtigung.

Insgesamt bestärkten sowohl die Vertreter*innen auf Produzentenseite als auch die von Förderungen und Politik den Gedanken, dass zukunftsorientiert weitergemacht werden muss. Wenn sich alle gegenseitig unterstützen und auch diejenigen einbezogen werden, die aktuell straucheln oder keinen Anschluss finden, dann wird die jetzige Phase die Vorbereitung auf den „Neustart“ unterstützen. Eine Rückkehr in den exakten vorherigen Zustand ist zwar nicht möglich, aber es kann an den Stärken des vorherigen Systems angeknüpft und vielleicht sogar einiges besser gemacht werden.