Sci-Fi, Horror, Fantasy - Deutschlands Angst vor Genre

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Sci-Fi, Horror, Fantasy - Deutschlands Angst vor Genre
Foto © Blind | Silent Partners

„Den deutschen Genrefilm zeichnet aus, dass es ihn in der internationalen wie auch nationalen Wahrnehmung praktisch nicht gibt.“ Mit diesem Zitat umschrieb die Initiative Neuer Deutscher Genrefilm 2012 die schmähliche Situation deutscher Genreproduktionen. Zum Genrefilm zählen alle Filme, deren Machart und Inhalt besonders einprägsam und um ein bestimmtes Thema herumgestrickt sind, wie z.B. Science Fiction-, Fantasy-, Horror- und Actionfilme. Im Grunde also genau die Filmgenres, die bei deutschen Fernseh- und Kinoproduktionen wenig vertreten sind. Dies ist interessant, denn das deutsche Publikum hat definitiv Lust auf Genre.

Bei den Top 75 der Kinofilme nach Besucherzahlen des Jahres 2019 können mehr als die Hälfte als Genrefilm gezählt werden. Allen voran Blockbuster-Produktionen wie Avengers, Es und Die Eiskönigin. Auch unter den Top 10 der beliebtesten Netflix-Produktionen sind immer wieder Genreproduktionen zu finden und Produktionen wie „Abgeschnitten“, die bei ihrem deutschen Kinorelease floppten, sind hier richtig erfolgreich. Dass sich deutsche Großproduktionen und TV-Sender jedoch weiterhin kaum an fantastische Stoffe trauen – von Kinderfilmen mal abgesehen – hat verschiedene Auswirkungen. Einige davon erfuhren wir auf unserem EFM Genrefilm Event.

Als selbsternannter „King of Geeks“ und u.a. Producer des Horrorfilms „Tape_13“ und der kommenden Netflixproduktion „Blood Red Sky“ gilt Benjamin (Benni) Munz (Rat Pack Filmproduktion) als großer Verfechter des Genrefilms. In seiner Keynote auf dem EFM Genrefilm Event erläuterte er, wie steif Deutschland in Sachen Genre ist. Action-, Horror- und Fantasyfilme gelten schon seit längerer Zeit als US-Sache, weshalb deutsche Genreproduzent*innen in Sachen Förderung oder TV-Koproduktion häufig vor verschlossenen Türen stehen. Erst seit dem Erfolg von Streamingservices kommen deutsche Genreproduktionen überhaupt an Geld, um umgesetzt zu werden und zusätzlich auch an Distributionswege abseits kleiner DVD-/BluRay-Releases oder Auftritten auf Nischenfestivals.

Das Fernsehen, so kritisiert Munz, habe das deutliche Zeichen für die Nachfrage nach Genreproduktionen jedoch übersehen. Fast jeder Sender habe nun einen eigenen Streamingservice und eigene Produktionen. Diese beschränkten sich jedoch immer noch auf die typisch deutschen Genres wie Komödien, Dramen oder Krimis. Dies stößt bei Munz und vielen Vertreter*innen des deutschen Genrefilms auf Unverständnis.

So auch bei Produzent Rüdiger Kümmerle und Regisseur Marcel Walz (Silent Partners Ltd.). Im Anschluss an die Trailerpremiere ihres neuen Films „Pretty Boy“, dem Sequel ihres Festivalhits „Blind“ (auf Amazon verfügbar), äußern sie Bedenken. Durch die fehlende Unterstützung im Inland, wandern viele Talents ins Ausland ab. Sie selbst sind das perfekte Beispiel dafür. Nachdem der Versuch scheiterte, für ihre Produktionen, die vorwiegend aus dem Horror- und Actionbereich kommen, in Deutschland an Unterstützung zu kommen, kamen sie in den USA schnell an Gelder. Daher sind auch kommende Produktionen nicht mehr „made in Germany“, auch wenn dies ursprünglich nicht so geplant war.

Vergleichbare Fälle treten in Deutschland immer wieder auf – so beispielsweise auch bei Produzent und Regisseur Rainer Matsutani, der 2020 in einem Gastbeitrag bei blickpunkt:film den von Hürden gezeichneten Weg seiner SciFi-Serie „Spides“ beschrieb.

Von einem Hoffnungsschimmer für den deutschen Genrefilm berichtete Holger Frick, Geschäftsführer von Superama Filmproduktion. Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein mache, würden die Erfolge auf Streamingplattformen dafür sorgen, dass einflussreiche Institutionen und Unternehmen in Deutschland den Genrefilm erster nehmen. In Zukunft, so deutete Frick an, komme wahrscheinlich Bewegung in den TV-Bereich.

Frick selber arbeitet zurzeit an seinem eigenen Genreprojekt. Dieses wird zwar co-produziert mit US-Firmen, ist aber zumindest zur Hälfte „made in Germany“. Immerhin ein Anfang!