NEUGESCHÄFT TROTZ CORONA

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NEUGESCHÄFT TROTZ CORONA
NEUGESCHÄFT TROTZ CORONA

Die bundesweiten Drehverbote, Ausgangsbeschränkungen und Reiseeinschränkungen rollen über die Produktionswirtschaft wie ein Tsunami. Existenzen von Künstlern, etablierten Dienstleistern und preisgekrönten Produzenten stehen im Feuer. Der Druck der Krise beschleunigt auch die Umstellung auf digitale Arbeitsprozesse und lässt neue Geschäftsmodelle entstehen. Können diese zarten Pflänzchen die vernichteten Milliarden eines Tages kompensieren?

Im Zeitalter digitaler Screening-Möglichkeiten und etablierten Videokonferenzen war der sogenannte „off-market“ Umsatz für Rechtehändler bereits zu einer relevanten Größe gewachsen. Längst musste man sich nicht mehr an einem festgelegten Markt in einem Kino verabreden, um Projekte zu beurteilen und schließlich zu kaufen. Die Laufkundschaft und die Dynamik der physischen Märkte sollen nun über digitale Ersatzplattformen simuliert werden. Spätestens „in“ Cannes, beim Marche du Film, wird sich zeigen, wie diese Konzepte angenommen werden.

Auch Festivals und Konferenzen wollen ihre Formate weiterentwickeln. Nach den Animation Production Days etablieren immer mehr Anbieter Formate für Homeworkers, so arbeitet beispielsweise auch die Forum Media Akademie an der Entwicklung digitaler Varianten ihrer etablierten Konferenzen und Seminare für die Filmbranche. Networking ist für unsere Branche entscheidend, weil viele Bereiche nicht standardisiert sind oder agil und flexibel gelöst werden müssen. Das geht gut mit Leuten, die man kennt – und kennenlernen geht durch Treffen, pardon „ging“, denn heute tummelt man sich auf sozialen Plattformen. Dort werden Konzepte entwickelt, die dann kollaborativ und vernetzt von zu Hause aus realisiert werden. Das betrifft inhaltliche Formate, wie Konzerte und Shows ebenso, wie Geschäftskonzepte.

Für Freelancer hat sich nun die Initiative „Quarantinos“ gebildet. Von zu Hause aus bieten Filmschaffende aller Gewerke ihre Kreativität und Kompetenz an. „Wir können als Freelancer Gemeinschaft Filme auch im Lockdown herstellen“ lautet ihr Motto. In der Tat leben im gleichen Hausstand oftmals mehrere Gewerke unter einem Dach.

Zumindest in Studios und an langfristig genutzten Innenmotiven wird sich wohl die Situation perspektivisch verbessern. Die Masse wird aber immer noch auf der Straße, on Location, gedreht. Die Zeit jetzt sinnvoll zu nutzen, sollte oberstes Gebot sein. Petitionen an Politiker helfen kaum gegen den eigentlichen Gegner Corona. Jetzt kann jeder das tun, was geübt ist. Am Netzwerk und den eigenen Fähigkeiten arbeiten. Die Kontakte, die heute entstehen, helfen für die Zeit, wenn wieder gedreht wird. Die allermeisten Projekte wurden nicht abgesagt, sondern verschoben. Das wird zu unvergleichbarer Nachfrage nach Personal und Dienstleistern führen. Irgendwo in der Zukunft müssen sie sein, die goldenen Zeiten – denn Plattformen und Sender brauchen Content – vielleicht mehr denn je.