ANIMATIONSFILM IN DEUTSCHLAND - EIN UNSICHTBARES MEDIUM

  • Facebook Logo
  • Twitter Logo
  • LinkedIn Logo
ANIMATIONSFILM IN DEUTSCHLAND - EIN UNSICHTBARES MEDIUM
ANIMATIONSFILM IN DEUTSCHLAND - EIN UNSICHTBARES MEDIUM

Diese Woche finden die Stuttgarter Animation Production Days zum ersten Mal in digitaler Form statt. Begleitet vom Internationalen Trickfilmfestival und normalerweise auch vom FMX bilden sie die wichtigste Business-Plattform für Animationsprojekte in Deutschland. Hier werden Projekte vorgestellt, Trends und Perspektiven diskutiert und Finanzierungen in die Wege geleitet. Deutsche Animationsstudios werden mit Sendern und internationalen Studios in Kontakt gebracht. Europäische Koproduktionen sind momentan gefragt und erzielen hochwertige Ergebnisse. Doch wie ist die sonstige Situation des Animationsfilms in Deutschland?

Seit 1926 einer der ersten animierten Langspielfilme namens „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (Lotte Reininger) erschien, hat sich technisch viel verändert. Wurde dieser Film noch mit Scherenschnitten in Stop-Motion erstellt, folgte bald der Zeichentrick. Serien wie „Mecki der Igel“ (Brüder Diehl) oder der Film „Peterchens Mondfahrt“ (Wolfgang Urchs) waren vor allem für Kinder gedacht, wobei in den 90ern auch erfolgreiche Filme für Erwachsene entstanden: „Werner – Das muss Kesseln“ von Rötger „Brösel“ Feldmann, Gerhard Hahn und Michael Schaack zählt bis heute mit 4.954.599 Kinobesuchern in Deutschland als der erfolgreichste deutsche Animationsfilm.

Mittlerweile ist der Großteil der Animationsfilme computeranimiert – auch die, die nach Zeichentrick aussehen – und der Trend ist zum Kindermedium zurückgekehrt. Auf den gängigen TV-Sendern laufen so gut wie keine Animationsfilme mehr und wenn, dann sind es keine deutschen Filme, die es in die Prime-Time schaffen. Auf Kika gibt es einen großen Anteil an Animationsserien, von denen 31% einen deutschen Produktionsanteil haben. „SimsalaGrimm“ zählt seit Jahrzehnten zu den Quotengaranten. Auf Super RTL gibt es nur eine einzige Serie mit deutschem Produktionsanteil (KW 12 2020).

In den Kinos ist der deutsche Animationsfilm zwar vertreten und die Besuchszahlen sind befriedigend, aber nicht mit den Zahlen großer amerikanischer Produktionen vergleichbar. Dies erscheint seltsam, zumal der Animationsfilm 2018 das umsatzstärkste Genre des majoritär deutschen Films im Ausland war. Marlene Wagener (Leiterin APD zu blickpunkt:film 2019) begründete dies mit der fehlenden Awareness des deutschen Publikums für die nationalen Produkte. Dies liege unter anderem daran, dass US-Produktionen ein sehr viel höheres Marketing-Budget besäßen als hiesige Produktionen.

Über unzureichende Fördergelder gibt es schon lange Debatten. Zwar wurde der DFFF2 durch Regeländerungen mehr für Animations- und VFX-Dienstleister geöffnet und Bundesländer wie Baden-Württemberg bieten zugeschnittene Programme an, das Geld reicht jedoch nicht, um der starken Konkurrenz die Stirn zu bieten. Film werde in Deutschland noch zu sehr als Kulturgut statt als Wirtschaftszweig gehandelt, äußerte Dittmar Lump (Positionspaper Stuttgarter Cluster-Entwicklung 2019, S. 40).

Zudem steht das Image „Kindermedium“ dem Animationsfilm in Deutschland ein bisschen im Weg. Präsente Marken wie „Der Kleine Rabe Socke“ (Akkordfilm u.a.) oder „Der Kleine Drache Kokosnuss“ (Caligari Film) sind perfekt für Kinder geeignet, werden aber entsprechend niemals so viele Zuschauer anziehen wie große Family-Entertainment Produkte von Disney oder DreamWorks, denen zusätzlich noch eine generationenlange Markenprägung zu Grunde liegt.

Gute Erzählstoffe, starke Studios und kreative Köpfe gibt es in Deutschland zumindest zu Hauf und im Anbetracht aktueller Entwicklungen – dieses Jahr gab es beim Deutschen Filmpreis erstmals einen Preis für beste visuelle Effekte und Animation – kann es durchaus sein, dass dem Animationsfilm in Zukunft noch eine höhere Bedeutung zukommt und er für das Publikum sichtbarer wird.