FERNSEHEN DREHT, KINO STEHT

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FERNSEHEN DREHT, KINO STEHT
FERNSEHEN DREHT, KINO STEHT

Gemeinsam haben verschiedene Verbände mit der zuständigen Berufsgenossenschaft BG ETEM ein Regelwerk für die Krise entworfen. Letztlich hat sogar das zuständige Bundesministerium zugestimmt. Diverse öffentliche Drehgenehmigungen setzen die Einhaltung der BG ETEM Richtlinien voraus. Und das ist gleichzeitig die eigentlich gute Nachricht: Drehgenehmigungen werden wieder erteilt.

Journalisten durften explizit zur Sicherstellung der Pressefreiheit auch während des Lock-Down drehen und reisen. Drehverbote für Show- und Fiction-Produktionen wurden kolportiert und der Entzug bereits erteilter Drehgenehmigungen im öffentlichen Raum trug signifikant zur Verunsicherung bei. Unklar war das Bündel an neuen Risiken für Produktionsarbeiten. Wer würde ein Hotel bezahlen müssen, wenn das Team in Quarantäne dort festgesetzt wird? Würden die Behörden Dreharbeiten abbrechen lassen, wenn ein Corona-Fall im Team oder in der gleichen Straße oder auch nur am gleichen Ort auftreten würde? Und wer würde dann für den Schaden aufkommen, insbesondere wenn die Versicherungen dafür nicht ausgelegt sind?


Inzwischen haben sich Routinen etabliert, um kritische Szenen in Projektideen und Drehbüchern zu identifizieren, zu kalkulieren und die Mehrkosten mit den Finanzierungspartnern zu diskutieren. Die Hilfestellung der BG ETEM gilt inzwischen vielen als Basis für Umsetzungskonzepte. Immerhin wurden viele Anregungen und Vorschläge dort aufgenommen, branchenweit gesammelt und mit dem entsprechenden Ministerium abgestimmt. Bereits vor Veröffentlichung wurde in Studios auf Basis ähnlicher Sicherheitskonzepte und Maßnahmen weitergedreht.


In Hamburg / Schleswig-Holstein sind nun die ersten drei Projekte nach dem Corona-Lock-Down an- bzw. abgedreht. Drehgenehmigungen werden wieder erteilt, wie vielerorts auf Basis der BG ETEM Richtlinien. In einem ähnlichen Regelkorsett hat sich auch Berlin wieder für Dreharbeiten geöffnet. Durch das erfolgreiche Krisenmanagement steht Deutschland im Kurs der internationalen Produktionen weit oben. Amerikanische Großproduktionen kommen selten ohne eine Beteiligung der Player in Berlin und Potsdam zu uns. Auch unter Quarantänebedingungen und mit eingeschränktem Flugplan werden Produktionen vorbereitet. Dies nährt die Hoffnung auf ein starkes zweites Halbjahr und einen kurzen Winter.


Gerade in NRW hatte man gehofft, dass bisher unerschlossene Regionen jetzt für Dreharbeiten stärker genutzt werden. Vieles ist in Köln aufgrund der Enge der Stadt nicht genehmigungsfähig und könnte gut im Outback umgesetzt werden. Die Referenz für kleinere Verwaltungen ist aber natürlich Köln und so werden dortige Vergaberichtlinien als Standard verwendet. Gerade bei schönem Wetter belegt die gebeutelte Gastronomie Zusatzflächen auf Gehwegen, was die Logistik bei Base und Drehort zusätzlich einschränkt.


Bayern war eins der ersten Bundesländer, die Drehgenehmigungen wieder in Aussicht gestellt hatten. Natürlich bedingt die jeweilige Vorbereitungszeit eine gewisse Latenz. Dennoch sind in München die ersten Produktionen bereits abgedreht, andere in Dreh und viele in Vorbereitung. Mit Sorge erinnert man sich an die Probleme vor der Pandemie, wie Fachkräftemangel und Wohnraum. Durch die systematische Entwicklung der Regionen, verteilen sich die Projekte auf mehrere Hotspots, viele dennoch im Münchner Einzugsgebiet.


Durch den noch fehlenden Versicherungsschutz drehen meist Fernsehproduktionen. Einige Sender haben sich verpflichtet, sich im Fall der Fälle an den Mehrkosten zu beteiligen. Auch die Förderungen haben Zugeständnisse signalisiert. Dennoch ist für unabhängige Kinoproduktionen das Risiko für den Produzenten derzeit noch sehr hoch. So ist das Resümee bereits in der Überschrift erkennbar.