VERANTWORTUNGSVOLL UND MUTIG

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VERANTWORTUNGSVOLL UND MUTIG
VERANTWORTUNGSVOLL UND MUTIG

Die stetig steigenden Infektionszahlen weltweit verbreiten Angst und Schrecken – vor einer möglichen Erkrankung, aber auch vor unvorhersehbaren politischen Reaktionen. Immer wieder werden Verordnungen von Gerichten einkassiert. Sender und Förderungen strecken sich nach Lösungen. Doch Filmschaffende sehen sich nicht nur mit monothematischen Herausforderungen konfrontiert. Entwicklungsfinanzierung, Fachkräftebindung, Auslandsdreh und neue Bürokratie-Aufgaben runden den Alltag ab. Ein Glück, dass Produzent/-innen optimistisch und pragmatisch durchs Leben gehen.

Jetzt kommt auch noch der BREXIT dazu, wahrscheinlich ungeregelt. Das heißt in jedem Fall Zollpapiere und Exportgenehmigungen, Arbeitsvisa und andere Fleißaufgaben. Ein ärgerlicher bürokratischer Mehraufwand. Aber natürlich gibt es Schlimmeres.

Bereits die Uneinigkeit über gendergerechte Schreibweisen scheidet die Geister. Empfehlen einige Verwaltungen den Genderstern * oder -doppelpunkt :, verlangt der Duden nach dem „/-innen“-Ergänzungsstrich oder die „(innen)“-Klammervariante. „Die Partei“ warb in Karlsruhe mit der Planung einer Umbenennung in Karlasruhe, wenn deren OB-Kandidatin die Wahl im Dezember gewinnen sollte. Wer bei der Ausschreibung von Stellen nicht auf gendergerechte Formulierungen achtet, dem vergeht schnell das Lachen.

Wie aus einem Quellbrunnen sprudeln parlamentarische Gesetzesinitiativen zu Neu-, Um- und Änderungsregelungen. Da Filmproduktionen in so vielen Feldern des gesellschaftlichen und unternehmerischen Lebens agieren, werden sie häufig Zielscheibe von gut gemeinten und überraschend streng geahndeten Vorschriften. Wer denkt beim Filmemachen auch zuerst an Geldwäsche- und Waffengesetz, Geschäftsgeheimnisgesetz, DSGVO und GOBD, vielfältige Auslegungen von KSK, der Versicherungspflicht von Scheinselbständigen, die Haftung bei unständig Beschäftigten und, nicht zuletzt, die Vielfalt des Urheberrechts.

Man wundert sich, warum junge Leute keine 50 Stunden-Verträge ohne soziale Absicherung und organisierte Personalentwicklung anstreben. Dem Nachschub für Fachkräfte wurde zumindest für Quereinsteiger mit Mindestlohn und gekürzten Assistenzstellen ohnehin der Weg versperrt.

Eine erbarmungslose Regelflut. Alles, wirklich alles wurde bestmöglich umgesetzt. Oft auf Kosten der Rendite der Produktionsfirmen, die in der Folge bei Finanzierungsengpässen nicht selten mit Privatbürgschaften ihre Existenz riskierten. Mit dem Boom 2019 wurden sie fast belohnt – fast, weil die Margen am Anfang von den enormen Anfangsinvestitionen aufgefressen wurden. Der Ausblick ins erfolgversprechende Jahr 2020 wurde noch während der Berlinale gefeiert.

Dann kam Corona. Ein unbekanntes, tödliches Virus. Überraschte Politiker/innen reagierten mit einer Vielzahl von Regelungen bis hin zum kompletten Lock-Down Deutschlands – und vieler anderer Länder weltweit. Das Ziel, uns Bürger/innen zu schützen, ist ehrenwert und viele der Maßnahmen waren mutig.

Nach sechs Monaten und am Anfang einer bereits vorhergesagten zweiten Welle stellt sich dennoch die Frage, warum demokratisch gewählte Parlamente nicht mitgestalten dürfen und warum Gerichte viele der Maßnahmen als unverhältnismäßig wieder aufhoben? Bei so häufigen Richtungsänderungen ist es schwer, vertrauensvoll zu folgen. Umso bewundernswerter sind die, die mutig und verantwortungsvoll für die Sicherung tausender Existenzen von Filmschaffenden und ihrer Familien Produktionen durchführen: Die Produzentinnen und Produzenten, und damit der Motor der Produktionswirtschaft!


Wir danken euch.

Bild © International Film Partners